“Wer wird Millionär?” ++ So isser, der “Spiegel” ++  Podcast-Boom | ZAPP vom 28.08.2019

“Wer wird Millionär?” ++ So isser, der “Spiegel” ++ Podcast-Boom | ZAPP vom 28.08.2019


Willkommen zu Zapp. Die Musik kennen Sie sicherlich:
“Wer wird Millionär?” Der Dauerbrenner bei RTL
feiert 20. Geburtstag – immer noch erfolgreich
wie wenige andere Sendungen. Woran liegt das? An Günther Jauch? Oder am Versprechen,
dass Millionäre gemacht werden? Bei uns gibt es
keine Million zu gewinnen. Aber wir haben die Antwort für Sie. Das läuft in Afghanistan
und in Nigeria. Das läuft
in den verrücktesten Ecken. Aber es ist wirklich
in allen Ländern angekommen. Sogar auf den Fidschi-Inseln
gab es das. Elfi Jäger erzählt, sie habe das Quiz-Format
für RTL entdeckt. Ihr Job beim Sender
sei Ende der Neunziger gewesen, das Programm anderer Länder
zu analysieren. Ich fand das Prinzip genial. 15 Fragen –
und man kann eine Million gewinnen. Das war neu. 15 Fragen ist sehr überschaubar. Multiple Choice kennt jeder. Die Musik und das Licht. Ich dachte:
“Hammer, das müssen wir haben!’ Doch es dauert,
bis sich RTL darauf einlässt. Dann hieß es immer: “Quiz ist tot.” Die haben es sich
nicht mal angeguckt. Ich bin wochenlang mit dem Tape
durch die Gegend gelaufen: “Guck doch wenigstens mal rein!
Es ist richtig gut.” “Quiz ist nicht.
Schon gar nicht in der Primetime.” Ein Jahr später geht es doch: Die erste Sendung beginnt
mit einem vollmundigen Versprechen. Es wird so spannend werden
und so unberechenbar, dass der notorische Schulabbrecher
die Chance zum Comeback hat. Und Nachfahren von Einstein
können hier schrecklich versagen. Die Sendung versagt nicht. Sie erreicht im Schnitt
fast zehn Millionen Zuschauer. Noch heute ist “Wer wird Millionär”
erfolgreich. 2000 gewinnt der erste Kandidat
eine Million – ein Hochschulprofessor. Eckhard Freise ist der erste
von 14 Millionengewinnern. Genauso spannend wie die Suche
nach der Antwort erscheint das Verhalten
von Günther Jauch. Hilft er? Lässt er die Kandidaten auflaufen? Nicola Erdmann war Kandidatin. Sie gewann 32.000 Euro
und reiste damit durch die USA. Ihre schönste Erinnerung
an die Sendung: Der Moment,
in dem sie die Vorauswahl übersteht. Da war ich sehr aufgeregt. Meine Hände haben gezittert. Als er dann gesagt hat:
“Richtig hat es Nicola Erdmann.” Da habe ich mich so gefreut. Dann dachte ich:
“Okay, ich mit Günther Jauch.” Es hat ja jeder das Gefühl,
er kennt Jauch … Aber dann dachte ich:
“Jetzt geht es los.” Erdmann erlebt den Moderator anders,
als sie es erwartet hatte. Später schreibt die Journalistin
darüber. Er saß da mit verschränkten Armen. Er hat nicht geholfen. Er hat mich nachgeäfft. Ich war ganz überrascht:
“Was ist da jetzt los?” Mit Jauch urteilen Millionen
über die Kandidatin. Der Zuschauer
ist schadenfroh oder mitfühlend. Er hat Emotion. Die Emotionen tragen die Sendung. Wer bei Jauch versagt,
dem ist der Spott bei “Bild” sicher. Der Bild-Reporter freut sich hämisch. Aus und vorbei
nach 45 Sekunden. Deutschland schmunzelt
über diese 20-Jährige. Ganz so hemmungslos macht Jauch
sich nicht lustig. Die Sendung liefert genug Stoff
zur Unterhaltung. Dafür war entscheidend,
dass sie beinahe täglich lief – so wie vorher schon in England. Es war sehr schnell Tagesgespräch. Das hat reingehauen. Der Taxifahrer
hat darüber gesprochen. In der U-Bahn
wurde darüber gesprochen. Es war erst geplant,
das einmal die Woche zu machen. Ich konnte
durch meine Recherche sagen: “Das geht nicht.” In Spanien haben sie das so gemacht: Das ist abgesoffen. In vielen Ländern wurde
“Wer wird Millionär” eingestellt. In Deutschland wird es weitergehen. Die Fragen von Zapp zum Erfolgsformat
hat RTL nicht richtig beantwortet. Besser gesagt: überhaupt nicht. Haben Sie aufgepasst? Antwort B ist richtig. Es scheint eine neue Gattung
im deutschen Journalismus zu geben. “Die ostdeutsche Seele ergründen”,
könnte man das Genre nennen. Reporter schwärmen aus
und bereisen die neuen Bundesländer. Sie installieren sogar für
eine Weile ihre Redaktion dort. Die Mauer fiel vor 30 Jahren. Am Wochenende wählen die Bürger
in Sachsen und Brandenburg die Landesparlamente. Wen sie wählen, interessiert
auch den Rest der Republik. Aber wieso wird immer wieder tief
in die Klischee-Kiste gegriffen? Aktuelles Beispiel
ist “Der Spiegel”. Schlagzeile: “So isser, der Ossi”. Das mag Ironie sein –
aber der Ton ist gesetzt. Diese Titelbilder über den Osten
regen ihn auf. Silvio Schwartz ist Blogger. Sein Thema: Wie wird der Osten
in Medien dargestellt? Diese Woche ging ihm der Hut hoch. So wird man bei Ostdeutschen
nicht dafür sorgen, dass sie den “Spiegel”
in die Hand nehmen. Wenn man als minderbemittelt
dargestellt wird … Er hat den Hut berühmt gemacht. Das dürfen Sie nicht. Der “Wutbürger” aus Sachsen,
der ein Kamerateam beschimpfte. Der “Spiegel”-Titel
erregt das vorhersehbare Aufsehen. Das Echo im Netz kam prompt: Schnell kursierten Vorschläge
für neue Titelbilder. Die Titelgeschichte ist
von einem Ostdeutschen geschrieben. Sie ist differenziert erzählt. Nur die Fotos: So hat man sich den Osten
in den Achtzigern vorgestellt. Öd und traurig. Silvio Schwartz
ist studierter Historiker. Er betreibt nebenbei seinen Blog. Er entlarvt den West-Blick der Medien
auf den Osten. Angefangen bei Zonen-Gaby … “Spiegel”-Titel über den Osten
sind fast immer eine West-Sicht. Anfang der Neunziger: Ein Westdeutscher wird
von Ost-Händen ausgewrungen. Das ist unheimlich. “Wir machen die Grenzen auf
und die wringen uns aus.” Eine Horrorvorstellung. Zur Jahrtausendwende wird der Osten
nur noch als Bedrohung wahrgenommen: 15 Jahre nach der Einheit war das
nah dran am “Jammerossi”-Klischee. Letztes Jahr wird
ein ganzes Bundesland abgestempelt. Der rechte Osten als neues Narrativ. Der Ostdeutsche will unser Geld. Der Ostdeutsche ist rechts. Oder er ist dumm. Schlimmstenfalls alles gemeinsam … Wir haben den “Spiegel” gefragt, wie viele Leser er
in Ostdeutschland hat. Ob er nicht tatsächlich
eine Zeitung für Westdeutsche sei. Die Pressestelle betont: Das aktuelle Titelbild
spiele mit den Vorurteilen. Im Netz kursiert noch ein Vorschlag
für ein Titelbild: Selbstverständlich ironisch gemeint. Geht Berichterstattung
über den Osten ohne Provokation? Ja. Die “Lausitzer Rundschau”
verkauft sich als “Heimatmedium”. Das Konzept: Besonderheiten
der Lausitz werden berücksichtigt. Nicht anbiedernd. Kritisch. Den Finger in die Wunde legend. Aber mit einem Verständnis für das,
was Menschen der Region umtreibt. Stefanie Groth
hat eine Reporterin begleitet. Reporterin Christine Keilholz
auf Recherche im Lausitzer Braunkohlerevier. Ein idyllisches Dorf –
bis zum Ortsschild. Sobald man aus dem Ort rauskommt,
ist da die Abbruchkante: Man ist mitten in der Kohlezone. Was nicht sichtbar ist
bei den schönen Gärten: Es gibt massive Umweltprobleme. Das Grundwasser ist sehr niedrig. Drumrum ist alles abgebaggert. Man ist hier auf ‘ner Insel,
die austrocknet. Nach jahrzehntelangem Hin und Her
ist das Ende von Mühlrose besiegelt. Das Dorf soll abgebaggert werden. Ich selber als Mühlroser
möchte hier weg. Das werden die meisten wollen. Ja, die meisten
waren für die Umsiedlung. Weil es nicht mehr schön ist. Der Ausstieg aus der Kohle hat sich zum bestimmenden Thema
im Landtagswahlkampf entwickelt. Der Strukturwandel
treibt die Menschen um: Zu viele offene Fragen
zur Zukunft der Region. Die Politik
hat viele Hoffnungen enttäuscht. Wenn ich die Wahlwerbung höre von
manchen, kriege ich das Schaudern, was die versprechen:
für jeden alles, das kann keiner. Macht Ihnen die Situation Angst?
Die Wahlprognosen? Macht mir echt Angst. Wovor konkret? Dass vielleicht meine Enkel
wieder in den Krieg müssen. Das ist das, was mich erschüttert
und kleinlaut macht. Angst vor Nationalismus, Fremdenhass,
dass Geschichte sich wiederholt. Schon jetzt ist die Rede
von einer Richtungswahl – nicht nur für die Region,
für die gesamte Bundesrepublik. Die AfD könnte erstmals
stärkste Kraft werden. Die SPD versucht,
noch Stimmen zu gewinnen. Wie läuft’s, Herr Baum? Es läuft, wie’s läuft. Das Interesse ist
in vielen Bereichen gering. Kohle, Strukturwandel –
klassische SPD-Themen. Das Problem ist, dass die Leute
nicht das Vertrauen haben in die Regierung und die Parteien. Das verunsichert sie
und kann dazu führen, dass mehr Leute die AfD wählen,
als es wollen. Die Leute sind nicht
rechts eingestellt. Die sind mit der Gesamtsituation
überfordert. Dennoch: Christine Keilholz empfindet
die Stimmung als weniger schrill im Vergleich zu den Vorjahren. Man hat den Eindruck als Beobachter: Als ob das ständige Skandalisieren,
dass die Leute das über haben, dass eine Stimmung einkehrt,
wo man überlegt: Will ich bestimme Entwicklungen
wirklich oder was erreiche ich
mit ‘ner Protestwahl? Merkel muss weg! Cottbus vor einem Jahr. Nach Zusammenstößen zwischen
Geflüchteten und Einheimischen gibt es Proteste: Gegen die Asylpolitik
und gegen die Medien. Die Stadt damals in den Schlagzeilen als Sinnbild
für den Rechtsruck im Osten. Heute ist vom Medienrummel
wenig geblieben. Die Journalisten abgereist. Ausgenommen die lokalen Medien. Darunter die “Lausitzer Rundschau”. Hier haben sie einen längerfristigen
Blick auf die Entwicklungen. Auch aufs vergangene Jahr. Ich habe das so wahrgenommen, dass manche gekommen sind
und schnell wieder weg waren. Vielleicht haben sie
nur das Schlaglicht gesehen: So ist Cottbus,
hier gibt es immer Konflikte. Ein differenziertes Herangehen
wäre besser gewesen. Oliver Haustein-Teßmer ist
in Schleswig-Holstein aufgewachsen und kam vor 20 Jahren nach Cottbus. Er machte sein Volontariat
bei der “Lausitzer Rundschau”, kam nach Stationen in Trier
und Berlin zurück. Er versteht die “Lausitzer
Rundschau” als Heimatmedium. Das heißt für mich, dass wir
nah dran sind an der Region. Wir leben hier wie unser Publikum. Mit der Nähe wachse die Sensibilität
für bestimmte Themen, regionale Eigenarten,
Befindlichkeiten. Man muss sich anschauen, wie sich
Demokratie entwickelt hat im Osten. Was Menschen erlebt haben
in wirtschaftlicher Hinsicht, den Arbeitsplatz betreffend,
den viele verloren haben. Man muss schauen, mit welchen Haltungen
Leute durchs Leben geben. Wie ernst sie genommen werden. Als Heimatmedium
möchte die “Lausitzer Rundschau” ihren Teil dazu beitragen. Vor den Landtagswahlen
lädt sie zum Wahlforum mit Vertretern fast aller Parteien. Leser durften das Thema bestimmen
und wählten “Innere Sicherheit”. Der Ministerpräsident
wollte dazu noch reagieren. Es gibt ein Problem
mit den Wachenschließungen? Das Problem ist: Wachenschließungen
hat es nicht gegeben. Im Zuge der Polizeireform
mit mir als Innenminister wurde keine Wache geschlossen! Ich habe heute
mindestens einen Artikel gelesen, in dem stand, das in unserem Bereich
fünf Wachen geschlossen wurden. Das war die Überschrift. Auch wenn sich die Frage
nicht eindeutig klären lässt: Es bleibt sachlich, der Ton ruhig,
genau wie die Kritik danach. Mir kamen die Zuschauer zu kurz. Das waren sieben oder acht Fragen,
das war mir zu wenig. Wie immer zu viel gewollt,
das ist aber Alltag. Wenn man so ‘ne Herausforderung
nicht angeht, kann man daraus nicht lernen. Dranbleiben an Politik und Lesern,
nicht nachlassen. Diskussionsbedarf
wird es auch nach der Wahl geben. Die Medienmeldungen der Woche
hat Inga Mathwig. Vorab sei gesagt: Es geht um Partnerwahl,
einen Neuanfang und um die Liebe. Sissi und Franz. Ernie und Bert. Trump und Fox News: Paare fürs Leben. Der Sender hatte immer
ein offenes Ohr für ihn. Fox-Moderatoren eilten
zu Trumps Wahlkampfauftritten. Fox war immer nett zu mir.
Wo Fox auch ist – danke! Doch nun hat Fox
den Präsidenten enttäuscht. Mit Journalismus. Der Sender befragte die Amerikaner,
wen sie 2020 wählen würden. Das Ergebnis: nicht Trump. Der versteht die Welt nicht mehr: Fox hat sich verändert. Meine schlechtesten Werte
kamen von Fox. Da geht was vor.
Ich bin nicht glücklich. Er findet Trost
beim kleinen Nebenbuhler: OAN, das One America News Network. Er verkündet:
Wann immer möglich, schaue ich OAN! Der junge Sender
hängt an seinen Lippen. Fox will seine Liebe zurück –
und holt dafür: Sarah Huckabee-Sanders,
Trumps Ex-Sprecherin. Sie schwor ihm: Ich bleibe eine der loyalsten
Unterstützerinnen des Präsidenten und seiner Agenda. Trump und Fox –
doch ein Bund fürs Leben. Noch einer, der sich neu orientiert: Jan Fleischhauer machte im Juni
Schluss beim “Spiegel” und schreibt nun für den “FOCUS”. Bei “phoenix persönlich”
erklärt er, warum. 30 Jahre “Spiegel”. Die Kolumne “Der schwarze Kanal”
mach ich seit acht Jahren. Da dachte ich: Das bis zur Rente machen –
oder was Neues anfangen? Wir erinnern. So kennen wir Fleischhauer:
politisch, streitlustig. Grenzkontrolle.
Haben Sie ‘nen Pass? Wie heißen Sie? Das ist für dich schon Rassismus? Das zeigt, wie links das Land
unter Frau Merkel geworden ist. Im neuen Verlag: Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer
bei Bunte.de! Hier kann sich Fleischhauer
neu entfalten. Was ist das Geheimnis
von Robert Habeck? Zum einen der Look. Das leicht Zerknautschte,
irgendwie ganz Süße. Die Haare spielen ‘ne Rolle. Bei Frauen sagt man immer, wir reden
zu viel über Äußerlichkeiten. Da hat Habeck gleichgezogen. Andere Männer entdecken mit über 50
die Modelleisenbahn, Fleischhauer den Boulevard. So schön wie jetzt
kann’s nicht mehr werden. Keine Pointe. Hat er? Oder hat er nicht? Der “Spiegel” sagt, er hat. Olaf Scholz soll
die Kandidatur um den SPD-Vorsitz in einer Telefonschalte
besprochen haben. Hat er nicht! Meint einer,
der dabei gewesen sein soll: Wir erleben ständig Meldungen, die mit der Realität
nichts zu tun haben. Wie die angebliche Telefonkonferenz
zwischen uns drei und Olaf Scholz: Die hat’s nie gegeben. Aussage gegen Aussage,
die Aufregung ist perfekt. Der “Spiegel”
bleibt bei seiner Darstellung, verweist auf Quellenschutz. Und Scholz? Sagt viel … * Schnellvorlauf * … und eigentlich nix. Auch bei Anne Will,
wo man den Soli diskutieren wollte. Aber spannender ist … … ob es die Telefonschalte gab. Was denn nun? Mit Verlaub, den ganzen Sommer
haben wir gesprochen über Frau Kramp-Karrenbauer
und Personalpolitik. Über Frau von der Leyen
und den Parteivorsitz. Man könnte jetzt zu Inhalten kommen. Wären die nur so aufregend
wie das Rätsel um die Schalte. Die Digitalisierung
hat den Medienmarkt umgekrempelt. Erst die Zeitungen,
dann das Fernsehen. Und das Radio
ist die Insel der Glückseligen? Eher nicht. Podcasts sind in aller Munde. Den Namen haben die Podcasts
dem iPod zu verdanken. Podcasts sind Audioformate
auf Abruf: Hörspiele, Nachrichten oder Talks, die ich mir
auf Handy oder Tablet laden kann. Hören kann ich sie, wann ich will: In der Bahn, beim Sport, im Bett. Lange Zeit war das nichts
für den Massenmarkt. Damit dürfte es vorbei sein. Intime Gespräche aus der App,
individuell aufs Ohr: Podcasts. Hallo und willkommen
zu “Filterbubble”. “Hamburg News” – Podcast
des “Hamburger Abendblatts”. Für “Stern Crime”
gehe ich auf Spurensuche. Ich treffe die besten Ermittler. Ich habe Peter Müller angerufen,
“Spiegel”-Korrespondent in Brüssel. In der Fabrik
unfassbare Arbeitsumstände. Du kannst nicht atmen. Darüber reden wir in “Der Tag”,
ich bin Philipp May. Podcasts. Ein boomendes Geschäft. Auch in Berlin-Kreuzberg,
im Radiobüro Viertausendhertz. Die Podcast-Agentur
gründeten vor drei Jahren Journalisten und Werbeprofis. Heute leben sie davon. Podcasts sind für sie pure Gespräche. Der Inhalt bestimmt die Form –
nicht das Format wie beim Radio. Wenn was gefragt wird,
das ging mir bei Interviews so: Ich dachte, ich muss fertig werden,
wo ich gerade angefangen hab. Wenn Redakteure uns einladen … Die müssen dafür kämpfen,
dass eine Band wie wir kommt. Trotzdem merkt man, wie die
dem Format verpflichtet sind. Bevor man ansetzen kann,
kommt meist schon die nächste Frage. Erfolg bei Podcasts heißt am Ende:
weniger Radio. Ich glaube, dass das lineare Radio sich einen großen Anteil
der Hörer teilen wird. Tut sie ja schon. Es ist nicht mehr so, dass man
im Auto automatisch UKW hört, was ein klassischer Ort ist
fürs Radio. Sondern Spotify, uns,
wen auch immer. Das Angebot schier unüberschaubar. Von Sendern Hunderte Angebote
zum Hören und Abonnieren. Auch Verlage sind dabei. Die “Zeit” redet stundenlang
mit je einem Gast, bis für den “Alles gesagt” ist. Der “Stern” geht bei Kriminalfällen
auf “Spurensuche”. Auch Zeitungen podcasten. “Hamburg News”, der Podcast
des “Hamburger Abendblatts”. Für Verleger sind werbefinanzierte
Podcasts ein Geschäftsmodell. Großes Thema auf dem Digitalkongress
der Zeitungen. Er wirbt dafür: Europamanager
Michael Krause von Spotify. “Hören ist das neue Sehen”. Alle sollen in Podcasts machen
und sie auf Spotify stellen – Sender, aber auch Zeitungsverlage. In Deutschland
waren es 150 % Wachstum. Das gesprochene Wort
– Podcasts, Hörbücher, Hörspiele – hat ‘ne große Relevanz. Und die Verleger haben Lust. Gerade bei der Diskussion.
Zu dem Thema? Natürlich. Das passt doch. Wo sich Nutzungssituationen ändern,
ist eine Chance für uns. Die Nutzungssituation ist das Auto. Da ist das Radio drin,
Zeitungsverlage noch nicht. In einer geschickten Kombination
kann was draus werden. Audio-, Musik-,
Nachrichtenstreaming. Also ein Markt,
den es zu besetzen gilt? Sicher. Wenn man die Zeitschriftenverlage
dazu nimmt, kann ich sagen, dass von den 100 größten Verlagen
50 mit Podcasts dabei sind. Da wir nichts tun,
wo nicht was bei rauskommt: Gerade durch Werbegeschichten
finanziert sich die Nummer. Spotify drängt auch
mit eigenen Reihen auf den Markt. Der erfolgreichste, sogar weltweit: “Fest & Flauschig”
mit Jan Böhmermann. Opa, Opa!
Was schnibbelst du in der Küche? Ja, Paulchen,
ich mache frischen Eiersalat. Zur letzten Folge von “Fest und
Flauschig” vor der Sommerpause! Oh, toll, ich liebe Eiersalat! Im US-Börsenfernsehen: Der Spotify-Gründer
macht eine klare Ansage. Unsere Mission war Musik. Jetzt geht’s um alle Audios. Wir wollen
die führende Plattform sein. Um dem was entgegenzusetzen, bauen
die Sender ihre Audiotheken aus. Unabhängige Plattformen. Die ARD und das Deutschlandradio. Der Erfolgspodcast hier: “Der Tag”. Über den Testosterongehalt
des Blutes hergestellt … Die Themen des Tages –
produziert im Radiostudio. Und doch: Podcasts sind anders
als das klassische Radio. Da werden noch Atmer weggeschnitten,
jedes “Äh”. Das Endprodukt im Radio ist sehr
optimiert und glattgeschliffen. Podcasts sind da ehrlicher,
da lassen wir auch Sachen mal. Wenn ein Fehler passiert,
korrigieren wir uns gegenseitig, machen weiter und alles ist gut. Wenn die Putzfrau reinkommt,
machen wir weiter, binden es irgendwie ein. Ich mag das, weil das die Welt
etwas realer erscheinen lässt. Die Verantwortlichen des
Deutschlandradios wollen mit Podcasts vor allem junge Hörer gewinnen –
Zukunftssicherung. Der Deutschlandfunk ist stark,
der Durchschnittshörer aber über 50. Ich habe mitgebracht,
was wir wissen von Spotify: Wie haben die Altersgruppe,
die am besten erreicht wird, mit 35 % die 23- bis 27-Jährigen. Den Wert erreichen wir
im klassischen Programm nicht. Das ist ein Grund,
warum wir da aktiv sind. Da helfen neue Plattformen
wie Spotify, Audible und Apple. Sie sind aber auch Konkurrenz. Wir merken den Druck
auch auf dem Markt. Im Sinne von: Wo finde ich Autoren,
die für uns tätig werden? Einige, mit denen wir
zusammengearbeitet haben, arbeiten jetzt auch
mit der Konkurrenz zusammen. Der Markt wird enger. Aber Konkurrenz belebt das Geschäft. Das ist für die Sender
auch eine Chance: Neue Angebote für neue Aufmerksamkeit
auf dem Audiomarkt. Morgen hier Sarah Zerback.
Ich bin Ann-Kathrin Büüsker. Tschüss! Das war Zapp. Zu Podcasts
habe ich noch einen Tipp: “180 Grad –
Geschichten gegen den Hass”. Es geht darum, wie eine gespaltene
Gesellschaft wieder zusammenfindet. Zu finden in der ARD Audiothek. Bis nächsten Mittwoch! Copyright Untertitel: NDR 2019

13 thoughts on ““Wer wird Millionär?” ++ So isser, der “Spiegel” ++ Podcast-Boom | ZAPP vom 28.08.2019

  1. Vollgestopft mit Schleichwerbung. Warte schon auf die nächsten investigativen Werbetrommeln wie "C&A hat die besten Klamotten", "Warum der Porsche so schnell ist" und "Vodafone bringt 5G für alle".

  2. "Das Echo im Netz", und es folgt Twitter-Berichterstattung. Ach, Zapp. Twitter ist für den Großteil der Bevölkerung irrelevant.

  3. Der (Relotius)Spiegel ist weder eine Zeitschrift für Wessis noch für Ossis, sondern ein Schmierblatt für unterbelichtete Idioten.

  4. Ist immer noch Sommerloch oder warum gab es diesen Beitrag über "Wer wird Millionär?" Nichtssagende Lobhudelei, ohne Biss und ohne jede wirkliche Kritik, verschwendete Sendezeit. Da gab es in der letzten Woche doch gewiss wichtigere Medienthemen, über die man etwas hätte machen können/müssen. Ein kurzes durchscrollen bei Übermedien, und ich sehe auf einen Blick 10 Themen, die eher einen Beitrag wert gewesen wären. Das ist nicht das Zapp, das ich schätze, lieber NDR.

  5. tja, so ist er! (der spiegel)….;-) ich komme ja aus der ecke #erzgebirge…und die haben schon recht, aber es gibt jede menge leute die die AFD so VERABSCHEUEN, wie ICH!!!…aber so isser leider (unner spischel 😉 ….nice sendung …gut gemacht!!! lg aus chemnitz #spiegel

  6. Wenn man keinen bezug zur Arbeit des Volkes hat kann man, meiner Meinung auch keine Arbeiterpartei mehr sein. Die SPD brauch Menschen, und vor allem Arbeiter mit Leidenschaft die für Ihre Interessen, auch mit Stimme, kämpfen. Die Menschen merken das in diesem Land etwas falsch läuft und wollen abgehohlt werden.

    Das kann die SPD auch wenn Sie endlich rauskommen aus Ihren Büros und dem Volk – vor allem dem Ostdeutschen – eine Stimme geben und tacheles reden…..
    Das kann man auch ohne Äusländehetze!

  7. Fleischhauer – was der beim Spiegel wollte, war mir nicht klar. Ansichten von Vorgestern und mit Bleifuß durch die Klimakrise. Ich bin froh, dass er weg ist. Zum Focus passt er.

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