EHP8 Upgrade Erfahrungen – Sandeep Sheth [AUDIO-PODCAST]

EHP8 Upgrade Erfahrungen – Sandeep Sheth [AUDIO-PODCAST]


– Natürlich ist dann auch immer ein klein
bisschen bei uns in der SAP Basis im Hinterkopf: EHP8 ist offensichtlich das
letzte EHP, so ERP 6.0, bevor es dann irgendwann um das Thema S/4HANA geht. Gleichzeitig war es aber auch ein
Anliegen von uns, den JOST-Werken, das Knowhow über unsere Prozesse, über
unsere Anwender mit einzubringen. – Hallo und herzlich willkommen. Willkommen zum
RZ10 Podcast für SAP Basis und Security. Mein Name ist Tobias Harmes und
mit mir dabei ist heute der Herr Sheth. Herr Sheth, sie kommen von den JOST-Werken: ein
internationaler, börsennotierter Zulieferer für Nutzfahrzeuge.
Es geht heute um das EHP8 und wir haben uns auf einer Konferenz getroffen und
sind darüber ins Gespräch gekommen und dann haben wir doch mal gesagt: “Machen
wir doch mal einen Podcast dazu, darum vielen herzlichen Dank, dass sie da sind.
– Ja, hallo. Schönen guten Morgen Herr Harmes. Ich freue mich als langjähriger Leser und
Follower ihrer tollen Beiträge in den verschiedenen Portalen nun auch mal
aktiv mit Ihnen hier ein Thema gestalten zu können und das ist eine tolle Idee und
freue mich darauf! – Ihre Firma, die JOST-Werke sind ja in
13 Ländern unterwegs, fünf Kontinente. Ich habe gelesen: 2700 Mitarbeiter weltweit.
Sie sind ja Teamleiter für die SAP Basis. Können Sie vielleicht den Zuhörern mal
erklären, wie ganz grob die Infrastruktur, die Landschaft bei Ihnen
aussieht? – Wir sind eigentlich ein noch relativ
junger Betreiber eine SAP Landschaft. Wir betreiben SAP ERP Systeme seit 2014. 2013 glaube ich haben so die Planungen begonnen. Ich selber bin seit
dem Jahr 2017, eigentlich auf den Tag genau seit zwei Jahren für die JOST-Werke
tätig und unsere Systemlandschaft besteht aus einer klassischen
dreistufigen ERP Umgebung. Wir nutzen eine Datenbank aus dem
Hause MaxDB mit einer Größe von ca. 3 Terabyte. Dreistufige Systemlandschaft:
Entwicklungssystem, Testsystem Qualitätssicherungssystem und
Produktivsystem und sind dabei auch im Wesentlichen vornehmlich im ABAP Stack
unterwegs und benutzen ein separates AS Java System eigentlich lediglich im Umfeld
der Adobe-Formulare. – Ja jetzt haben wir ja das Thema EHP8.
Das heißt: Sie sind jetzt unlängst auf EHP8 gegangen. Von wo sind Sie auf EHP8 gegangen
und was war der Grund dafür? – Also Ausgangssituation ,auch als ich 2017 hier begonnen habe, war der Einsatz von ERP
6.0 EHP5 und im Grunde haben dann im Herbst 2017 schon die Planungen begonnen
und es gab eigentlich so zwei treibende Motivationspunkte und zwar
einmal waren das anstehende Projekte. Wir – sie erwähnten es
ja eingangs – sind wir weltweit, global unterwegs und sind aktuell dabei,
unsere Standorte in unserem SAP System zu integrieren. Das heißt: Aktuell
werden dort noch eigene Lösungen eingesetzt, sollen aber bei uns in
unserer ERP Landschaft integriert werden und gleichzeitig wollen wir natürlich
auch die neuesten Funktionalitäten, die ein EHP8 bietet,
nutzen und um jetzt die neuen Standorte in ein aktuelles SAP System zu
integrieren, war jetzt eben so die Idee, diese Planungen voranzutreiben bis dann im
Jahr 2018 auch zur Umsetzung zu schreiten. – War denn jetzt der EHP8 da so ein Ding, was man sich jetzt mit genommen hat,
weil man jetzt eh viel ändert, wenn man da jetzt die internationalen
Landesgesellschaften drauf zieht oder wenn man das
integrieren wollte, brauchte man EHP8, weil da irgendwie bestimmte Funktionen
drin waren? – Es war tatsächlich war so, dass wir unsere
internationalen Tochterunternehmen dann auch wirklich in das neueste System
integrieren. Es hat dann auch immer zur
Konsequenz, dass dann die Mitarbeiter an den anderen Standorten
geschult werden müssen und das wollten wir dann wirklich auch mit dem neuesten
Release dann vornehmen, um sich dann später nicht noch mal eine zweite Schulung oder
Nachschulungen leisten zu müssen. – Also haben sie mal ein Beispiel dafür,
was für eine Funktion da jetzt neu ist. Mir fallen so
Stichwörter wie SAP Fiori oder ähnliches ein, was ja auch schon mit EHP8 möglich ist und verwendbar ist und ich glaube bei EHP5 ja noch nicht zur
Verfügung steht. Sind das solche Themen oder was wäre da das Neue?
– Das fängt eigentlich bei ganz einfachen Dingen an, wie eben das Design. Also wir
haben uns da jetzt im Detail, muss ich gestehen, dann auch nicht mit
beschäftigt, aber Maßgabe war aber innerhalb: Wenn man einen solchen Schritt
geht, hat es ja immer zur Folge, dass Oberflächen anders aussehen, dass auch an der einen oder anderen Stelle dann Fiori genutzt wird.
Aktuell machen wir es noch nicht, wäre aber sicherlich an
der einen oder anderen Stelle eine Option, aber dann für die Leute
ändert sich ja komplett das Tagesgeschäft, die Abbildung
ihrer Prozesse und da wollten wir dann wirklich ja so ein bisschen Kontinuität
dann walten lassen, ein System zur Verfügung stellen, was auf dem neuesten
Stand ist und bei dem so schnell erst auch mal keine Änderungen zu erwarten sind. Natürlich ist dann auch immer ein klein
bisschen bei uns in der SAP Basis im Hinterkopf: EHP8 ist offensichtlich das
letzte EHP, so ERP 6.0, bevor es dann irgendwann um das Thema S/4HANA geht und wir wollten dort dann auch die Ausgangsposition dann möglichst nahe an den neuesten Stand dann machen.
– Also das war auch eine Motivation, dass man jetzt so hoch wie möglich
geht, um sich dann optimal zu positionieren für S/4HANA.
– Ganz genau. – Können Sie vielleicht einmal skizzieren, wie das
Projekt so abgelaufen ist und was Ihre Rolle in dem Projekt war. Also
vielleicht erst mal so ganz grob: Was war so die Zeitplanung von: Sie haben
jetzt entschieden: Okay, wir wollen das machen bis zu: Jetzt
ist es drin, also es funktioniert und kann auch genutzt werden? Wie lange
hat das gedauert? – Also die Planungen hatten sich
konkretisiert im Herbst 2017, sodass wir dann zunächst einmal mit unserem
Dienstleister im Oktober/November da die ersten Meetings hatten, die das Projekt
eigentlich auf die Schiene gesetzt haben bis hin dazu, dass wir dann Anfang des Jahres
2018 unternehmensweit den offiziellen Kickoff gestartet haben und Planung war
dann vor Beginn der Ferienzeit, vor Beginn der Sommerferien im Juni 2018 das
Projekt dann abgeschlossen zu haben und ab Juni 2018 dann mit dem
neuen Release an den Start zu gehen. Also im Grunde dann so die Planung von
Herbst 2017 bis zum Sommer 2018: Das war so der Projektzeitraum.
– Und wie war da die Aufgabenverteilung, also wer hat da was gemacht? Wie haben Sie sich da
aufgestellt? – Also von Anfang an war
eigentlich klar, dass wir hier natürlich ganz eng mit unserem Dienstleister, mit
unserem Systemhaus zusammenarbeiten werden. Das Systemhaus hatte uns ja
damals schon im Jahr 2013/2014 bei der Einführung von SAP begleitet
und gleichzeitig war es aber auch ein Anliegen von uns, von den JOST-Werken das
Knowhow über unsere Prozesse, über unsere Anwender mit einzubringen, sodass
wir dann letzten Endes dann eine Art dreistufige Projektleitung
installiert haben. Das heißt einmal: die Projektleitung seitens unseres
Systemhauses. Gleichzeitig aber auch eine Doppelspitze bei der Projektleitung hier
intern bei den JOST-Werken einmal mit dem Fokus der technischen Umsetzung – das
war mein Part gewesen – und mein Kollege aus der Inhouse Beratung, der hier sehr
stark über sehr großes prozessuales Knowhow bei den SAP Applikationen verfügt, unsere
Anwender sehr gut kennt, auch er war Teil der Projektleitung,
sodass wir dann im Grunde dann eine Projektleitung bestehend aus drei Personen dann hatten.
– Also extern einmal und dann Technik und dann fachlich als Schnittstelle zum Fachbereich.
– Ganz genau. – Und was waren da so Ihre Erfahrungen? – Jeder, der drei Projektleiter konnte da wirklich auch
seine Erfahrung einbringen. Das war einmal unser externer Dienstleister, der
natürlich schon sehr viele Projekte dieser Art geleistet hat, der auch über
entsprechende Templates mit Projektablaufplänen
verfügt hat, sodass wir uns das nicht alles selbst erarbeiten mussten. Gleichzeitig war das dann mein eigenes Knowhow, was ich dann
von technischer Seite miteinbringen konnte. Ich hatte damals in meinem
vorherigen Unternehmen mal einen Release Wechsel gemacht von SAP 4.6c,
manche mögen sich da noch dran erinnern ECC 6.0 ist schon eine Weile her, war aber mein
Einstieg damals in die SAP Basis, ein erfolgreicher Einstieg in das SAP Basis
Umfeld und ja da mein technisches Knowhow mit einzubringen bis hin dazu, dass
mein Kollege, der aus der Inhouse Beratung,
der auch schon bei der Integration vieler kleinerer Standorte mitgearbeitet
hatte, Erfahrungen hatte, was Tests betrifft, die Integrationstests, die Regressionstests und auch er war da und konnte sich da auch gut einbringen bei dem ganzen Projekt.
– Können Sie mal ein Beispiel dafür geben, was jetzt im Rahmen Ihrer Rolle als technischer
Projektleiter da typische Aufgaben waren? Also worauf müsste sich jemand
vorbereiten, der das ähnlich gestalten würde? – Also wichtig an der Stelle ist zum
einen, dass man so die technische Seite der eigenen Prozesse kennt. Also das
betrifft beispielsweise die Schnittstellen: Welche Schnittstellen
werden genutzt und dass man sich dann damit befasst. Gerade so diese
Schnittstellen Thematiken bedürfen einer besonderen Beachtung im Rahmen eines
solchen Projektes dann zu schauen im System: Inwiefern sind diese
Schnittstellen betroffen von diesem Release Wechsel? Besorgen der
Dokumentationen: Wo gibt es Dokumentationen, wie hier die Zusammenhänge zu sehen
sind, das nur so als kleines Beispiel. Das sind aus meiner Sicht
Leistungen, die ein Externer nur beschränkt leisten kann, wo man dann
wirklich sehr viel dann auch selber hier auf Recherche gehen muss und das
war so ein Teil meiner Aufgabe bis hin dazu, als es dann darum ging den
ganzen Release Wechsel technisch umzusetzen.
Da werden ja auch sehr viele Fragen dann gestellt oder Entscheidungen, die dann
getroffen werden müssen seitens des Durchführenden zum Beispiel kommt man dann an Stellen:
Der Upgrade Prozess stoppt. Man bekommt dann in den Logs den
Hinweis bestimmte SAP Notes zu prüfen. Es muss dann auch eine Zusammenarbeit mit einem Entwickler erfolgen, mit einem
Data Dictionary Spezialisten, um letzten Ende, wenn es dann darum geht Entscheidungen zu treffen wie: In welchen
Namensraum muss etwas gelegt werden? Wird eine eigene Entwicklung noch benötigt? Wo
wird sie eingesetzt? Muss sie jetzt im Zuge dieses technischen Upgrades betrachtet
werden? All solche Fragen waren eigentlich so ein ganz ganz wichtiger
Bestandteil meiner Tätigkeit. – Was waren so Sachen, die Sie nicht auf dem Schirm hatten, also die Sie vielleicht überrascht haben? – Überrascht haben?
– Also so ein typisches Beispiel, was ich oft erlebe ist: Add-Ons.
Vielleicht das ein oder andere auch schon ein bisschen angegraute Add-On, was
dann im Zuge des Upgrades plötzlich einem auf die Füße fällt, weil es
vielleicht keine neuere Version dafür gibt oder man erstmal gucken muss: Wen
muss man dafür ansprechen, sowas zum Beispiel. – Ja, wie sie schon sagen. Also
das war so eine dieser dieser Hauptaufgaben, diese Add-Ons zu identifizieren und diese Schnittstellen zu vielleicht
Drittanbieter-Systemen und da dann wirklich zu gucken: Wie wurden die damals
bei uns genutzt? Was machen die überhaupt und inwiefern sind die
tatsächlich auch relevant für den Upgrade oder müssen dort gesondert betrachtet
werden. Ganz spannend ist nämlich auch beispielsweise die Frage: Im Laufe
eines solchen Projektes gibt es natürlich auch mehrere Testphasen,
spannend ist die Frage: Wie kann man gewisse Punkte auch wirklich
nachhaltig oder vernünftig testen oder ein Beispiel vielleicht: Ein ganz großes
Thema bei uns war unser integriertes EWM System. Wir hatten angefangen mit einem ERP 6.0 EHP5 im Einsatz,
haben aber auch – das ist es so ein bisschen eine Sonderkonstellation – ein EWM 7.0 im Einsatz basierend auf dem gleichen Netweaver und die Herausforderung war dann dieses EWM 7.0
gleichzeitig dann auf das EWM 9.4 zu
migrieren und da stellt sich dann natürlich nach dem technischen Upgrade
die Frage: Wie testet man das denn in der Testumgebung? EWM wird natürlich in
unserem Hochregallager eingesetzt. Wir haben aber kein Test-Hochregallager.
– Kein zweites Lager? Was? – Genau und das war dann tatsächlich
so ein bisschen eine spannende Herausforderung. Wie kann man diese
Lagerprozesse testen, simulieren oder zumindest mal ein gutes Gefühl dafür zu
gewinnen, dass dann an dem Wochenende des Go-Lives im Juni dann im Anschluss dann
auch wirklich alles so funktioniert, dass man auch Teile wieder findet in dem Lager.
– Können Sie sagen, wie Sie das gelöst haben, weil das gibt es ja immer wieder,
dass man für bestimmte Situationen, für bestimmte Schnittstellen irgendwie
jetzt nicht so richtig ein Test-Setup hat, also jedenfalls nicht bis zu Ende.
Wie haben Sie das gelöst? – Also ganz wichtig war hier so diese
enge Zusammenarbeit mit den Kollegen unserer Inhouse Beratung, speziell meinem
Kollegen, der das Thema EWM betreut und wir haben uns dann zusammengesetzt,
haben dann überlegt: Wie können wir denn das bestehende Hochregallager für
bestimmte Bereiche nutzen, also es ist ja nicht nur das EWM, wir haben dann
beispielsweise zwischen unserem ERP und dem EWM System noch eine Lagersteuerungssoftware dann im Einsatz eines Drittanbieters und um solche Themen zu
testen, war dann wirklich die Herausforderungen zu verstehen: Wie
funktioniert die Kommunikation zwischen diesen Systemen und wie können wir dann
nach der Migration und in unserem Testsystem dann hier mal zumindest diese
Schnittstelle ins EWM testen? EWM war auch tatsächlich
eigentlich so mit der kritischste Punkt im Zuge unseres Upgrade Projektes. Also
auch selbst im EWM Umfeld stellt sich die Frage der Eigenenentwicklungen,
der so genannten Z-Programme, Z-Transaktionen, inwiefern die auch
wirklich kompatibel sind mit dem neuen Release und auch die Frage: Wozu brauchen
wir die überhaupt noch? An welcher Stelle werden die verwendet?
Das sind alles sehr komplexe Fragestellungen, die dann auch ja so ein bisschen zu der Idee
geführt haben, im Fall der Fälle auch tatsächlich mal ein Stand-alone System
aufzubauen mit einem EWM System ohne Eigenentwicklungen, weil sie so eine Art Plan B oder
Plan C dann noch aufbauen als Notfall Szenario, was aber dann auch Gott sei
Dank nicht zum Einsatz gekommen ist. Das war eine ganz spannende Geschichte.
– Ja. Das mit den Z-Programmen, Sie haben das jetzt angesprochen für EWM speziell. Allgemein in ERP: War das da auch ein Thema? Mussten Sie
eine Unicode Conversion machen?
– Nein, wir waren schon auf Unicode. Diese Conversion mussten wir nicht machen und wir haben sehr viele Eigenentwicklungen, Z-Programme, die auch
seitens unseres Dienstleisters durchgeführt worden sind und hier kam
uns dann auch tatsächlich zugute, dann unsere Dienstleister direkt
kontaktieren zu können, mit ihnen zu klären: Was ist denn so
der Hintergrund einer Z-Entwicklung? Sie hatten das glaube ich eingangs gesagt: Sie sprachen von angestaubten Add-Ons. So
gibt es natürlich auch angestaubte Z-Programme, Eigenentwicklungen.
Keiner weiß mehr so richtig, dass sie existieren. Wo werden sie überhaupt
benutzt? Da konnten wir dann auch wirklich auf die gute Dokumentation unseres
Dienstleisters zurückgreifen, der uns da auch sehr viel Unterstützung geben konnte.
– Das heißt also: Da gab es Dokumentationen. Haben Sie auch so Vorgehensweisen verwendet wie zum Beispiel: Prüfen statistische Benutzung, also dass
man in die Historie geht, wurde das irgendwie zuletzt aufgerufen? Also haben Sie da solche Sachen noch?
– Wir hatten es ein wenig auf dem Radar, haben es aber
nicht so intensiv genutzt. Also es ist ja dann immer
so ein bisschen ans Licht gekommen, wenn es dann um die SPAU und SPDD
Bearbeitungen geht, die Berühmt-Berüchtigten.
– Also die Nacharbeiten, wo das SAP System nach dem Upgrade einmal anbietet: Hier
lieber Basis-Admin oder lieber Upgrade-Mensch, was soll ich tun? Soll ich den
SAP Standard zurückdrehen oder willst du deine Modifikation beibehalten?
– Ganz genau und da sind die uns dann auch häufiger mal ins
Bewusstsein gekommen und da war dann tatsächlich dann auch immer die Aufgabe
zu schauen: Werden die denn überhaupt noch benutzt? Wann wurden die denn das
letzte Mal benutzt? Da war es so ein bisschen am Rande und dann haben wir
auch uns die Nutzungsstatistiken mal angeschaut. – Haben Sie denn die
Gelegenheit genutzt oder wie ist das gelaufen im Projekt? Gab es
da jetzt auch noch mal Output sozusagen für den Betrieb? Das Eine ist ja so
ein bisschen das Projekt, das Upgrade- Projekt, das Andere ist ja dann hinterher:
das aktualisierte System betreiben. Da ist ja immer das Stichwort “Betriebsdokumentation” und so weiter. Haben Sie da irgendwas auch für sich mitnehmen können,
dass Sie sagen: Ach Mensch, das ist ja eine praktische Projektdatei, die nehme
ich mal in den Betrieb mit, also irgendwie sowas, was Sie anderen mit
geben könnten: Leute achtet darauf, dass ihr diese Dokus auch kriegt, weil das hilft euch im Betrieb? – Also ganz wichtig ist so die
Dokumentation der Schnittstelle, also gerade so der Kommunikationswege. Das
war im Vorfeld des Projektes häufig so ein bisschen schwierig an die
Dokumentation zu kommen und dann auch dadurch, dass zum Teil viele Kollegen
auch ebenfalls neu zu uns, zu den JOST-Werken gestoßen sind, dann auch
wirklich zu verstehen: Wie funktioniert der Prozess? Wie funktionieren
die Kommunikationswege? Und da ist es ganz wichtig aus meiner Sicht dann
wirklich zu dokumentieren: Was steckt dahinter? Wie sind da die
Zusammenhänge im Falle von Problemen? Wer steht als Ansprechpartner zur
Verfügung? Sind das Themen, die wir selber bei uns Inhouse lösen müssen oder ist da
ein externer Dienstleister da noch mit seinen Systemen mit involviert? Das
ist eigentlich so eine ganz wichtige Sache, die wir dann hier aus diesem
Projekt dann mitgenommen haben, weil wir waren in dem Projekt vor der
Herausforderung, sich damit auseinanderzusetzen, zu verstehen, wie die
Zusammenhänge sind und die dann wirklich mitzunehmen, zum Teil auch Dokumentationen
neu zu erstellen und dann im Hinblick dann S/4HANA und da auch ja
vielleicht ein bisschen Zeit zu gewinnen und mehr Klarheit dann zu haben, mehr
Transparenz über die Prozesse zu haben. – Haben Sie mit einer Sandbox gearbeitet
oder haben Sie direkt angefangen, die Linie upzugraden.
– Also eine besondere Herausforderung bei unserem Upgrade
Projekt, das wir im November 2017 gestartet haben, war dieses
Projekt parallel zu der Integration unserer Standorte in den USA
voranzutreiben. Das heißt: Das Projekt
in den USA ist die Integration der Jost International – so heißt das genau –
ist ja nahezu zeitgleich gestartet und die Frage war:
Inwiefern können denn dann unsere Systeme, um deren Prozesse abzubilden, zur
Verfügung stehen und gleichzeitig aber auch wir Erfahrungen
sammeln, sprich: Stichwort “Sandbox” für EHP8 zu nutzen und hatten da eigentlich ein
ganz pfiffiges Modell dann geschaffen, sodass wir dann erst mal hingegangen
sind, eine Sandbox gebaut haben als Kopie unseres Produktivsystems und diese
Sandbox dann – das war von Anfang an die Zielsetzung – später als neues
Entwicklungssystem in unsere Landschaft integriert.
Gleichzeitig dabei aber auch so ein bisschen dem Wunsch nachkommen,
dass unser Entwicklungssystem eigentlich – ich nehme an:
Das ist eigentlich bei fast allen Unternehmen so, auf einem sehr sehr alten
Datenstand geruht hatte – dieses alte Entwicklungssystem durch ein
neues Entwicklungssystem zu ersetzen und dieses Entwicklungssystem war dann
unsere Sandbox, die wir neu aufgebaut haben, erstmal als Systemkopie unter dem
alten Release, anschließend dann migriert haben. Gleichzeitig war dann so die
Herausforderung, das parallele USA Projekt dann auf dieser neuen Sandbox
nach der technischen Migration dort als weiteren Mandanten zu integrieren.
Das heißt: Wir haben eine Sandbox aufgebaut, um einmal das Ganze technisch
abzubilden, gleichzeitig aber auch um dieses Integrationsprojekt dann auf
dieser Sandbox dann voranzutreiben. Das war schon eine besondere
Herausforderung, dann wirklich zu definieren: Wann haben wir solche Phasen
wie Frozen Zone? Wie schaut das aus mit Eigenentwicklungen? Wann ist der
Entwicklungsstopp und das dann auch wirklich zeitlich zu koordinieren.
– Ich höre da raus, dass das Upgrade EHP8 dann einen vergleichsweise kleinen Teil
ausgemacht hat, also dass man gesagt hat: Okay wir machen die Sandbox, jetzt
machen wir das Upgrade und dann ist eigentlich relativ schnell aus diesem
System ein System geworden, was tatsächlich zuliefert, also was
produktiv geworden ist. – Es ist jetzt hier, aktuell
läuft hier unser Projekt für die Integration der Standorte in den USA
immer noch und da kommt grad diesem Entwicklungs- oder diesem ehemaligen
Sandboxsystem eine große Bedeutung zu. Also der Go-Live für unsere USA
Standorte innerhalb des SAP Systems ist für Anfang Oktober geplant und
aktuell sind wir noch auf diesem Entwicklungssystem unterwegs. Demnächst
erfolgt die Überführung in das Testsystem bis hin dazu dann im
Herbst, Spätsommer im Produktivsystemen damit an den Start zu gehen.
– Was waren die Überraschungen, die vielleicht irgendwo in
irgendeinem Upgrade-Guide drin stehen, aber die sie dann doch irgendwie überrascht
haben? – Es waren eigentlich mehr so
spezifische Themen, sowas wie die speziellen Schnittstellen im
EWM Umfeld. Bei denen war oftmals dann auch so so die erste Reaktion: Ach,
das haben wir auf einem anderen System nicht zum Laufen bekommen beispielsweise.
Nun waren wir vor der Herausforderung: Um einen guten Start
dann nach dem Go-Live zu gewährleisten, mussten wir ist es ja in
irgendeiner Form testen. Das heißt dann tatsächlich gegen so diese landläufige
Meinung: Ach, das hat irgendwie nie so richtig funktioniert, dann auch wirklich
zu schauen: Wir machen es, dass es funktioniert und dann wirklich sich tief
in irgendwelche Schnittstellen, gerade im EWM Umfeld, in dieser Lagersteuerungssoftware, das war so ein klassischer Fall, dass dann auch wirklich mal an ein
Testsystem, an das migrierte Testsystem unter dem neuen Release dann anzubinden
und dann wirklich dort intensiv zu testen. Ein anderes Thema sind zum
Beispiel Web Services gewesen, da dann auch wirklich Kommunikation von den JOST-Werken mit den Kunden im Spiel ist, die dann auch wirklich ans Laufen zu bringen, an
das Testsystem anzubinden, was vorher ja nie so richtig funktioniert hatte.
Wichtig ist an der Stelle auch tatsächlich, auch immer mit den Logfiles zu
arbeiten, dass man sich wirklich anschaut: Schnittstelle funktioniert nicht. Woran
liegt das? Dann muss man sich die Logs wirklich mal genau anschauen und meistens ist man dann auch sehr schnell auf die Lösung dann gekommen.
Super. Gibt es eine Sache, die Sie anders machen würden? Also wo Sie
sagen: Oh, das würde ich auf jeden Fall empfehlen, so nicht zu machen?
– Eigentlich nicht muss ich ehrlicherweise sagen. Vielleicht noch
mal etwas intensiver dann auch sich die Schnittstellen anschauen, dass
man schaut: Hat man alle Dokumentationen dabei frühzeitig dann auch wirklich? Es
sind ja zum Teil auch Drittanbieter, Drittanbieter-Add-Ons
im Spiel. Die muss man auch wirklich frühzeitig dann
kontaktieren: Sind die Add-Ons denn kompatibel mit dem
neuen Release Muster. Gegebenenfalls muss etwas angepasst werden. Wir hatten auch
auch an der einen oder anderen Stelle ein Add-On, das dann nachträglich nach dem
technischen Upgrade dann auch noch mal mit Support Packages ausgestattet werden
musste. Solche Thematiken dann auch wirklich
rechtzeitig sich beiseite zu legen, zu wissen: Wen muss man kontaktieren? Auf wen
muss man zugehen? Ist derjenige denn auch wirklich verfügbar? Das hat bei uns ganz gut
geklappt, wäre aber sicherlich noch vielleicht ein Thema, wo man sagt: Naja,
das habe ich persönlich vielleicht einen Tick unterschätzt. Da muss man
beim nächsten Mal vielleicht noch ein bisschen intensiver darauf schauen. Es hat
aber auch wirklich im Rahmen dieses Projekts auch gut geklappt, muss man
sagen. Wichtig auch: Es gibt bei
den Vorbereitungen, bei den Planungen auch gewisse SAP Hinweise. Also da gibt
es zum Beispiel so einen ganz Berühmt- Berüchtigten. Ich habe ihn mir gerade noch
mal aufgeschrieben: Die SAP Note 2318321, wo es dann darum geht, Nicht-SAP-Objekte
zu retten und ein Hinweis liest sich erstmal auf den ersten Blick
relativ harmlos, hat aber auch massive Auswirkungen auf das Data Dictionary, auf
den Umgang mit diesen Objekten. Es gibt natürlich Test Reports, die
man laufen lassen muss, daraus dann die Konsequenzen ziehen. Also das ist was:
Das taucht dann mal so als Satz in dem Projektplan auf oder in dem Upgrade Guide,
aber da darf man den Aufwand nicht unterschätzen. Da muss man zum Teil
auch externe Hilfe dann nochmal oder weitere Hilfen in Anspruch nehmen:
Unterstützung durch ein Programmierer, Data Dictionary
Spezialisten. Das darf man auf keinen Fall unterschätzen.
– Und was war das so zeitmäßig? Was hat das für einen Impact gemacht? Also das liegt ja
ein bisschen daran, dass dieses EHP Upgrade ein bisschen anders
funktioniert als vergangene Upgrades, weil Sie ja im Prinzip eine
Neuinstallation machen und dann die Daten rüber ziehen und das sich
natürlich ein bisschen anders anfühlt. Was hat das für Zeit gekostet?
– Ja also das war wirklich nicht zu unterschätzen, wobei man da aber auch
wirklich sagen muss, dass dort von Anfang an wir hier natürlich wiederum auf die
Projekterfahrung unseres Dienstleisters zurückgreifen konnten. Er hatte ja
entsprechend seine Projekt Templates dann auch mitgebracht, mit eingebracht
und auch schon darauf hingewiesen oder bei den einzelnen Schritten den
entsprechenden Zeitpuffer mit eingeplant, den wir dann auch wirklich komplett
benötigt haben. Man muss dazu sagen: Wir haben natürlich bei einem System, was dann
in der Form schon seit 4,5 Jahren im Einsatz ist, da gibt es auch gerade im
Entwicklungsbereich, im Data Dictionary Umfeld auch sehr viele Altlasten, dass da irgendwelche Dinge schlummern. Man stößt da an der ein oder
anderen Stelle darauf, aber denkt: Ja man müsste mal was tun. Wir hatten
von unserem Systemhaus einen wirklich tollen Entwickler und Data Dictionary
Spezialisten an die Seite gestellt bekommen und haben dann auch wirklich
die Gelegenheit genutzt, hier unser System von irgendwelchen entwicklungstechnischen Altlasten zu befreien und dann auch mit S/4 im
Hinterkopf dann zu sagen: Okay, wir haben hier ein sauberes System und sind da
auf nicht allzu große Überraschungen gefasst. – Das heißt: Das war dann tatsächlich auch eine Gelegenheit, ein bisschen aufzuräumen im Sinne von: Da kann man sich ja dann auch nochmal besser aufstellen in Richtung S/4HANA? – Absolut. Also es gibt ja häufig dann auch
im Entwicklungsumfeld dann Stellen, wo man sagt: Naja man nimmt
ein SAP Standard, wandelt den ein bisschen ab, macht dann ein Z-Programm daraus.
Das war dann vielleicht auch mal der ein oder anderen Situation im
kurzfristigen Bedarf geschuldet wird, führt aber dann beispielsweise zu dem Problem,
dass in dem Moment, wo dann der SAP Standard mit Updates oder Korrekturen
versorgt wird, mein kopiertes Z-Programm beispielsweise dann davon erstmal nicht
profitiert und das dümpelt dann auf dem alten Stand dann weiter und das ist
dann so ein typisches Beispiel gewesen, wo dann der Kollege
auch mal ein bisschen mehr Zeit investiert hat, das zu bereinigen, sodass wir uns da dann auch wirklich gut aufstellen und dann das Eine oder
Andere, was vielleicht nicht ganz so geschickt vielleicht auch Programm-technisch gelöst war, hier wirklich nachhaltig dann auch nochmal zu lösen.
– Herr Sheth, was fallen Ihnen denn sonst noch für besondere Punkte oder Herausforderungen ein, die unbedingt jemand wissen muss, der jetzt vor diesem Thema EHP8 steht?
– Was ja dann eine besondere Herausforderung auch
standortübergreifend ist, ist so das Thema FICO. Weil jeder Standort bei uns eigenständig bilanziert, das heißt: Wir haben
Buchungskreise als die relevante ORG-Einheit,
ein Buchungskreis selbstständig bilanziert, müssen Sie vor der
der Downtime Phase dann sehen, dass an den jeweiligen Standorten eine Bilanz
gezogen wird, dann erfolgt das technische Upgrade, Sie
gehen in die Downtime, User werden ausgeschlossen und das Erste, was man
macht, ist, dass man ja dann wieder sich zusammenschließt, kurzschließt, abstimmt:
Okay jetzt wird eine Bilanz gezogen, ihr könnt drauf, liebe FI-Kollegen an den
Standorten. Passt das vorher und nachher? Und das ist ja was, das dann auch
wirklich dokumentiert werden muss, etwas dann für die Behörden oder was im Fall einer
Prüfung dann vorgehalten werden muss und so weiter. Gerade für uns als börsennotiertes
Unternehmen ist das natürlich ganz ganz wichtig und was ebenfalls dann noch mal ein
ganz wichtiger Punkt ist, der vielleicht nicht ganz so deutlich vorgekommen ist, ist,
dass man sich dann auch immer darüber im Klaren sein muss:
Es fallen ja bei diesen ganzen Thematiken jede Menge Transporte an.
Natürlich hat man eine Frozen Zone Phase, das heißt: einen klar definierten
Zeitpunkt, ab dem nur noch Not-Transporte ins Produktivsystem laufen. Gleichzeitig
aber werden dann in der Sandbox jede Menge Entwicklungen
gefahren, es werden SAP Notes eingespielt, es wird Customizing gemacht, um dann zu schauen
am Ende, an dem Go-Live-Wochenende: Wie bringe ich das dann in welcher Form
dann in das Produktivsystem? Das ist zum Teil dann auch wirklich eine
Herausforderung gewesen, weil dann die Transportwege passen müssen, zum Teil
arbeitet man dann mit Transporten von Kopien und es kommen SPAU- und
SPDD-Abgleiche mit rein. Also das ist dann schon eine
Herausforderung. Gerade so das TMS und der Import der
anfallenden Transporte: Das ist noch mal ein ganz ganz wichtiger Punkt, der auch nicht
zu unterschätzen ist. – Herr Sheth, das war richtig super
spannend und sehr interessant. Also vielen Dank für ihre Erfahrungen zum
Thema EHP8. Jetzt gibt es noch eine Sache, die ich mir aufgeschrieben
hatte und zwar: Sie suchen auch Verstärkung, also die JOST-Werke suchen
Mitarbeiter im Bereich Basis und IT. Vielleicht können Sie dazu noch mal was sagen?
– Ja, händeringend! Also uns in der SAP Basis freut
das natürlich, wir sind natürlich dabei, unsere internationalen Standorte
zunehmend in das SAP System zu integrieren
und je nachdem, um welchen Standort es sich handelt, gibt es
hier besondere Herausforderungen im EWM Umfeld. Von daher suchen wir händeringend
gute und erfahrene SAP Spezialisten im EWM Umfeld. Wenn Sie da jemanden hätten
oder vielleicht jemand zuhört: Jederzeit gerne! Ich bin jetzt
zwei Jahre hier und bereue den Schritt nicht, hier zu den JOST-Werken
gekommen zu sein. Spannendes Umfeld, spannende
Herausforderungen und es lohnt sich. – Super! Also da auf jeden Fall nachschauen bei den
JOST-Werken. Ich werde entsprechend auch noch mal in die Shownotes ein paar Infos
verlinken, einerseits zum Inhalt, andererseits genau zu diesen offenen
Stellen, also unbedingt mal reinschauen. Herr Sheth, nochmal vielen lieben Dank
an Sie. Liebe Zuhörer, wenn ihr noch Fragen habt, wenn Sie noch Fragen haben zu
diesem Thema: Gerne mir senden! Ich kann das gerne an Herrn Sheth auch
weiterleiten, wenn jetzt irgendwas nicht geklärt worden ist oder ihr da mehr
Informationen haben wollt. Sendet einfach eine E-Mail an [email protected] Da könnt ihr
auch neue Fragen, neue Themen melden. Worüber möchtet ihr, dass wir eine
Episode drehen? Herr Sheth, vielen Dank! – Ich bedanke mich, Herr Harmes. Es hat
super viel Spaß gemacht und… – …ich würde sagen: Bis zur nächsten Veranstaltung! – Bis zur nächsten Veranstaltung! Dankeschön!
– Bis dahin, schönen Tag noch! Tschüss! – Ebenso. Tschüss!

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